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Der Norden von Lanzarote: Haría, Órzola, Famara und La Graciosa an einem Tag

Aktualisiert 6. September 2026 · 7 Min. Lesezeit

Wer auf Lanzarote Urlaub macht, wohnt fast sicher im Süden oder in der Mitte: Playa Blanca, Puerto del Carmen, Costa Teguise. Was die Insel berühmt gemacht hat, liegt zu einem großen Teil woanders. Nördlich der Linie Arrecife–Famara, in den Gemeinden Teguise und Haría, stehen die meisten Bauten von César Manrique, die höchste Steilküste des Archipels und der einzige Hafen, von dem die Fähre zur achten Kanareninsel ablegt.

Die Entfernungen sind für kanarische Verhältnisse gering und für einen Urlaubstag trotzdem entscheidend. Von Puerto del Carmen bis nach Órzola, dem nördlichsten Ort, brauchst du gut eine Stunde; von Playa Blanca eher anderthalb. Das klingt harmlos, heißt aber: Der Norden ist kein Nachmittagsprogramm, sondern ein ganzer Tag – oder zwei.

Warum der Norden anders aussieht als der Rest

Der Passat kommt aus Nordost, und der Norden ist das Erste, was er trifft. Deshalb ist es hier eine Spur kühler, häufiger bewölkt und fast immer windiger als an der Südküste. Und deshalb ist es hier grün, jedenfalls im Vergleich: Im Tal von Haría stehen tausende Palmen, während dreißig Kilometer weiter südlich nichts als Lapilli liegt.

Der zweite Unterschied ist das Alter. Die Lavafelder des Südens sind knapp dreihundert Jahre alt. Der Norden ist deutlich älter, erodiert, zerschnitten – der Risco de Famara fällt an seiner höchsten Stelle rund sechshundert Meter fast senkrecht ab, und der höchste Punkt der Insel, der Peñas del Chache mit gut 670 Metern, liegt auf demselben Kamm.

Die Route, die aufgeht

Der Norden lässt sich sinnvoll nur in einer Richtung fahren, wenn man nicht dreimal dieselbe Straße nehmen will. Bewährt hat sich diese Reihenfolge:

Vormittags Cueva de los Verdes und Jameos del Agua. Beide liegen im Malpaís de la Corona an der Ostküste und gehören zu demselben Lavatunnel, den der Vulkan Monte Corona hinterlassen hat. Was sie kosten und was drin ist, steht in Sehenswürdigkeiten auf Lanzarote; hier zählt der Zeitpunkt. Ab dem späten Vormittag stehen an beiden Adressen die Reisebusse, und die Tagestouren ab den Hotelorten kommen alle in demselben Fenster an. Wer um zehn da ist, geht durch einen fast leeren Tunnel.

Mittags hinauf nach Haría. Die Straße windet sich in Serpentinen aus dem Malpaís nach oben, und vom Mirador de Haría siehst du das Palmental von oben. Der Ort selbst ist der wohnlichste der Insel: niedrige weiße Häuser, ein schattiger Platz, Restaurants, die nicht nach Urlaub aussehen. Manrique hat seine letzten Jahre hier verbracht; sein Wohnhaus ist heute zu besichtigen.

Nachmittags Mirador del Río. Weiter nördlich auf dem Kamm gebaut, mit Blick auf die Meerenge El Río und La Graciosa dahinter. Führungen zu den Manrique-Bauten hängen ihn fast immer ans Ende, und das ist richtig: Bei tiefem Licht ist der Blick am besten.

Wer die Reihenfolge umdreht, steht mittags in der Schlange und hat abends Gegenlicht.

La Graciosa: die Insel ohne Asphalt

Von Órzola fährt die Fähre nach Caleta de Sebo, und die Überfahrt dauert rund 25 Minuten. Das gängige Ticket für Hin- und Rückfahrt kostet 29 €, mit kostenlosem Parken am Fährterminal – 4,7 Sterne aus 1.096 Bewertungen, einer der bestbewerteten Programmpunkte der ganzen Insel.

Drüben ist alles anders. La Graciosa hat rund 700 Einwohner, keine asphaltierte Straße und zwei Ortschaften. Der Sand liegt in den Gassen, Gepäck wird über Sandwege gezogen, und wer weiter will als bis zum Ortsrand, braucht Räder oder einen Geländewagen. Beides gibt es vor Ort: Fahrräder ab 15 €, E-Bikes ab 20 €, geführte Fahrten im Geländewagen zur Playa de las Conchas ab 40 €. Die Insel gehört zum Chinijo-Archipel, dem größten Meeresschutzgebiet Europas, und seit 2018 zählt sie offiziell als achte Kanareninsel.

Wer nicht selbst planen will, nimmt eine der La-Graciosa-Ausflüge ab 15 €. Die meistgebuchte ist eine sechsstündige Katamaranfahrt um die Insel mit Mittagessen für 66 €, 4,5 Sterne aus 2.006 Bewertungen; eine Segeltagestour derselben Länge liegt bei 72 €. Es gibt auch die Kombination aus dem Sonntagsmarkt in Teguise und La Graciosa an einem Tag für 65 € – sieben Stunden, und das ist ehrlich gesagt eng.

Wann La Graciosa keine gute Idee ist: wenn du nur einen halben Tag hast, wenn jemand mitfährt, dem auf kleinen Booten schlecht wird, oder wenn du dir eine Insel mit Schatten vorstellst. Es gibt kaum welchen. Was auf einer Bootstour mit Kindern zu bedenken ist, steht in Bootstour mit Kindern – ab welchem Alter?.

Wo man im Norden tatsächlich baden kann

Der Ruf des Nordens ist rau, und für die Westseite stimmt das auch. An der Ostküste sieht es anders aus. Bei Arrieta liegt die Playa de la Garita, ein dunkler Sandstrand im Ort, geschützt und flach genug, dass dort einheimische Familien den Nachmittag verbringen – der unaufgeregteste Badeplatz nördlich von Costa Teguise.

Und kurz vor Órzola, an der Straße nach Norden, liegen die kleinen Buchten von Caletón Blanco: helle Sandflecken zwischen schwarzen Lavazungen, mit knietiefen Becken, die bei ablaufendem Wasser stehen bleiben. Sie sind winzig, es gibt keinen Schatten und keine Infrastruktur, und bei Nordwind bläst es kräftig. Aber das Wasser steht ruhig, und für eine Stunde vor der Fähre sind sie das Beste, was der Norden anzubieten hat.

Auf dem Weg dorthin, bei Guatiza, liegt außerdem der Jardín de Cactus direkt an der Hauptstraße. Er kostet eine knappe Stunde und passt in fast jede Nordroute, ohne einen Umweg zu erzwingen.

Teguise: die Hauptstadt, die keine mehr ist

Teguise war bis 1852 Inselhauptstadt und ist bis heute der einzige Ort auf Lanzarote mit einem gewachsenen historischen Kern – Herrenhäuser, ein Kloster, ein Platz mit Kirche. An normalen Tagen ist es still dort. Sonntags ist es das Gegenteil: Der Kunsthandwerksmarkt füllt den ganzen Ortskern, und wer ohne Plan hinfährt, sucht eine halbe Stunde einen Parkplatz.

Beides ist ein Argument, nicht dasselbe. Wer den Ort sehen will, kommt an einem Werktag. Wer den Markt will, nimmt den Sonntag und die Menschenmenge in Kauf.

Famara: der Strand, an dem man nicht badet

Caleta de Famara ist ein niedriges Dorf an einem Strand, der über sechs Kilometer offen daliegt, mit der Steilwand des Risco im Rücken. Es ist der eindrucksvollste Küstenabschnitt der Insel und der ungeeignetste zum Schwimmen: Der Atlantik läuft hier ungebremst auf, es gibt Strömungen, und ruhige Tage sind die Ausnahme.

Genau dafür ist er der Surfstrand Lanzarotes. Surfkurse in Famara beginnen bei 45 €, meist mit Abholung an den Hotelorten. Mit kleinen Kindern am Wasser ist Famara dagegen der falsche Ort – wo im Norden gebadet wird und wo nicht, ist in Lanzarote mit Kindern aufgeschrieben, und für die Kleinsten in Lanzarote mit Baby.

Der Norden abseits der Straße

Die Pisten durch das Malpaís und hinauf zum Kamm sind der Grund, warum die meistbewertete Tour der ganzen Insel eine Geländefahrt ist: eine geführte Buggy-Fahrt ab Costa Teguise zum Peñas del Chache, 150 €, 4,7 Sterne aus 5.361 Bewertungen. Das ist viel Geld für zwei bis drei Stunden, und die Bewertungszahl sagt, dass die Leute es trotzdem ausgeben. Weitere Buggy- und Quadtouren starten bei 40 €.

Wer lieber zu Fuß geht: Der Kammweg über den Risco de Famara ist frei zugänglich und nicht gesichert. Bei Wind ist er nichts für Kinder und nichts für Leute mit Höhenangst.

Wann du den Norden auslassen solltest

An einem Tag mit Nordwind und tief hängenden Wolken sieht der Norden aus wie Irland. Das kann schön sein, ist aber nicht das, wofür man Kanaren bucht – dann lohnt der Süden mehr. Ebenso, wenn die Gruppe klein ist und quengelt: Die Fahrzeit ist der Preis dieses Tagesprogramms, und mit einem Kleinkind auf der Rückbank ist sie hoch. Was in dem Alter besser funktioniert, steht in Lanzarote mit Kleinkind.

Und wer nur einen einzigen Ausflugstag hat, fährt in den Süden zum Timanfaya, nicht hierher. Der Nationalpark ist das, was diese Insel von jeder anderen unterscheidet; der Norden ist das, was einen zweiten Urlaub hier rechtfertigt. Alles Buchbare auf einen Blick steht unter Ausflüge auf Lanzarote.

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